Stiftskirche St. Arnual
Die Basilika aus rotem Sandstein ist in weitem Umkreis einer der wenigen Hochgotikbauten an der Saar.

Die Basilika aus rotem Sandstein ist in weitem Umkreis einer der wenigen Hochgotikbauten an der Saar. Das Schmuckstück prägt den Marktplatz im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual
Am 27. Mai 1315 ist dieses Bauwerk durch den Herrn Dekan Johannes gen. Repper begonnen worden,
So lautet die Übersetzung der lateinischen Inschrift am Westturm der Kirche. Der Bau der dreischiffigen Basilika war vermutlich um 1390 vollendet.
Die Grabungsgeschichte belegt, dass dem gotischen Bau ein mittelalterlicher Gründungsbau sowie etliche Vorläuferbauten vorangehen. Die ältesten Baureste, die nachgewiesen sind, reichen bis in römische Zeit um das 2./3. Jh. n. Chr. zurück.
Die Standfeste der Basilika war durch Sanduntergrund und schwankenden Grundwasserspiegel bedroht. Die Gefahr eines schiefen Turms von St. Arnual wurde durch umfangreiche Sanierungsarbeiten - 120 Pfeiler halten heute die Grundmauern - gebannt.
Charakteristisch für das Äußere der Kirche ist die Turmhaube. Sie wurde 1746 von Stengel geschaffen.
Die Stiftskirche in St.Arnual ist täglich geöffnet von 8 bis 18 Uhr.
Auch heute noch finden Ausgrabungen statt.
Der Innenraum der Basilika ist besonders wegen der kunstvoll gearbeiteten Grabdenkmäler eindrucksvoll. Von Mitte 15. bis 18. Jh. war die Stiftskirche Grabkirche der Grafen von Nassau-Saarbrücken.
Besuchen Sie die Tumba (ein sarkophagähnlicher Schrein, der jedoch nicht den Leichnam enthält) einer politisch-literarischen Persönlichkeit: Elisabeth von Lothringen, durch ihre Heirat Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Sie regierte nach dem Tode des Gatten, als Vormund ihrer Söhne, dreizehn Jahre die Grafschaft. Elisabeth gilt als Initiatorin des deutschen Prosaromans. Die Lothringerin übersetzte französische Ritterromane ins Frühneuhochdeutsche und trat auch als Autorin in Erscheinung.
Da liegt Elisabeth (gest. 1456) mit gefalteten Händen, geschlossenen Augen und am Fußende von einem treuen Hund bewacht. Die Tumba ist von Wappen und einer gotischen Minuskelinschrift geziert. Auffallend zudem, dass der Faltenwurf ihres Kleides, dem einer stehenden Figur entspricht.
Die Gebeine wurden im Boden, ein Stück von der Tumba versetzt, identifiziert. Eine Grabbeigabe hatte sie nicht mit in den Holzsarg erhalten; nur ein kleine Nadel fand sich. Dereinst mag sie vielleicht den Stoff ihres Kleides gehalten haben.
Das wohl künstlerisch wertvollste Grabmal ist das des Grafen Johann III (gest. 1472) und seiner beiden Gemahlinnen Johanna von Loon-Heinsberg (gest.1469) und Elisabeth von Württemberg. Auch diese Figuren sind lebensgroß gearbeitet, der Graf in voller Rüstung, der Löwe zu seinen Füßen. Links von ihm die erste Frau, rechts von ihm die zweite Frau. Die zweite Gemahlin, Elisabeth von Württemberg, hatte die Tumba in Auftrag gegeben und vorsorglich Lücken in der Beschriftung der Tumba für ihre eigenen Sterbedaten gelassen. Sie dachte auch einmal in der Stiftskirche beigesetzt zu werden. Daraus wurde nichts. Tragischerweise wurde drei Monate nach dem Tode des Grafen der gemeinsame Sohn Johann Ludwig geboren. Zwei Jahre später heiratete Elisabeth von Württemberg erneut und starb erst 1505 in Wernigerode.
Eine stattliche Anzahl von Standgrabmälern befindet sich in der Stiftkirche. Das größte Epitaph (griech.: taphos= Grab, epi=nach) ist das der Anna Maria von Hessen-Kassel (gest.1626) und ihrer Kinder Philipp (gest. 1621), Dorothea (gest. 1620) und Luise Juliane (gest. 1622). Sohn Phillip starb an den Blattern, Mutter Anna Maria floh vor der Pest, nun ruht sie in der Stiftskirche in der Gruft unter der Kirche. Vom Ehegemahl Graf Ludwig II existiert kein Grabdenkmal. Was das bedeuten mag?
Kaum haben Sie die Stiftskirche betreten, merken Sie schnell, dass ein Besuch in der Basilika von ganz besonderer Atmosphäre bestimmt ist. Lebensgroß und farbig blicken uns die Hochwohlgeborenen als Figuren an. Das aufmerksame Betrachten der individuell gestalteten Denkmäler, verleiht den Personen ein Stück Unsterblichkeit. Wenn Sie das Tageslicht beim Hinaustreten auf den Marktplatz wieder umfängt, dann sind Sie von einer Reise aus der Vergangenheit zurückgekehrt und spazieren vielleicht ein bisschen nachdenklicher durch die Gegenwart.
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